Real / Echte Sushi

Sushi wird mit den Fingern gegessen und nicht mit Stäbchen! Das war einmal die erste überraschende Lektion des Abends im Lokal von Oto-San. Aber damit noch lange nicht genug!

Oto-San betreibt sein Lokal gemeinsam mit seiner Frau und einem Angestellten. An der Sushitheke (man sitzt Ähnlich wie an einer Bar) finden 8 Personen Platz und können dem Sushimeister direkt beim Zubereiten der Sushi auf die Finger schauen. Ein einmaliges Erlebnis, sowohl für die Kunden, da sie "näher" am Essen sind und auch Sonderwünsche leicht mitteilen können, und aber auch für den Koch, der die Reaktionen Seiner Esser direkt mit erlebt. Es ist allgemein ein sehr interaktives Essen zwischen Koch und Kunden, ganz anders als bei üblichen Restaurants.

Anders als bei uns gewohntem Sushi wird auch keinenfalls Wasabi mit der Sojasauce vermischt. Vielmehr benutzt der Koch den Wasabi als Würzungsmittel selbst direkt auf den Sushis. Die Sojasauce bzw. eine spezielle Mischung (jeder Koch hat hier sein Geheimnis) mit einem Pinsel auf den rohen Fisch.

Apropos roher Fisch - auf den Sushis finden sich nicht nur roher Fisch sondern auch gegarter Fisch, Seeigel, Muscheln und anderes Meeresgetier.

Bei Oto-San besteht ein Abendessen aus Ca 10 Sushi bzw Sashimigerichten und 5 Zwischengerichten wie z.B. Misosuppe. Oto-San ist übrigens Sushikoch geworden weil er meint er braucht Zum Kochen nur seine Hände und ein Messer, keine aufwendigen Geräte, keine Pfannen etc. Er ist so dem Essen mehr "verbunden".

Auch ein paar besondere Schmankerl wie roher Tintenfisch (auf dem ersten Bild in Babyform, auf dem Zweitem etwas grösser - Die Saugnäpfe spürt man dabei richtig auf der Zunge beim Essen!)

Auch eine Besonderheit ist die Wasabireibe (japanischer Krenn). Sie ist nicht eine gewöhnliche Reibe mit Löchern, sondern ein rundes Holzstück, welches mit Haihaut bespannt ist. Die Haihaut ist so rauh, dass sie den Wasabi schön fein zerreibt. 

Zum Ende hat sich Oto-San auch noch speziell für uns überreden lassen eine Akagi ("Rote Muschel") vor uns zu zerlegen/auszunehmen und Sushi und Maki daraus zu machen. Nicht nur zum zuschauen faszinierend (und blutig), sonder auch geschmacklich ein Erlebnis. 

Fisch in richtigen Sushilokalen wird in Japan übrigens auf eine spezielle Art und Weise - so genannte Ikejime - getötet. Wie das funktioniert? Am besten selbst gucken: http://m.youtube.com/watch?v=HoPTTVkL6s0

Dadurch ist nicht nur der Geschmack, sondern auch die Konsistenz des Fisches schmackhafter (mal abgesehen von der Wertschätzung gegenüber des Tieres, weil es eine wesentlich humanere Tötungsart ist). Auch Das Steiereck verwendet übrigens Fische, die nach Ikejime getötet wurden (http://mobil.derstandard.at/1362108242409/Waller-und-Stoer-Wenn-der-suesse-Tod-kommt)

Für mich war dieses Abendessen ein sozusagen Lebensveränderndes Erlebnis. Es hat in mir verändert, wie ich über Sushi ("Ist doch nur Reis mit Fisch drauf!) Und auchc über die japanischce Küche denke. Für alle die meinen sie mögen grundsätzlich Fisch nicht - Klar ein TK  frittiertes Irgendwas oder der penetrante Fisch Geruch, verständlich. Aber all das hat man eben hier NICHT. Es riecht hier gar nicht nach Fisch auf eine unangenehme Weise, wie wir das oft kennen. Ganz im Gegenteil - Eine unglaublich vielfältige Geschnacksreise!